Zuhören
Warum spiele ich in so gerne in einem großen Sinfonieorchester? Weil ich dort als kleines Rädchen Teil von etwas sein kann, das durch die Summe seiner Bestandteile zu etwas Großem, Berührendem, Mitreissendem und Einzigartigem wird. Gemeinsam entsteht ein magisches Gebilde, das zusätzlich durch die Interaktion mit dem Publikum seine Wirkung potenziert.
Nur durch Zuhören ist sinfonische Musik, ist Kammermusik und auch das alleinige Üben zuhause gewinnbringend möglich. Ein Orchester, dessen Musiker sich nicht gegenseitig zuhören, wird keine überzeugende Leistung vollbringen können. Das möchte niemand hören. Alle müssen aufeinander reagieren, manchmal sogar unterstützen, sich anpassen. Wenn ein anderer vor mir einsetzt, sein Ton zu hoch ist, muss ich mich anpassen. Nur so kann ein "Schaden" von der Aufführung abgehalten werden. Weil wir nur gemeinsam erfolgreich sein können. Zuhören ist in der Musik die größte Kunst. Eine Kunst allerdings, deren Anhängerschaft andernorts kleiner wird.
Auch für eine Gesellschaft, ein Land, einen Staatenbund gilt, dass Zuhören existenziell ist. Wir müssen einander zuhören. Die anderen Töne aushalten und versuchen zu verstehen, was nicht heißt, dass man zustimmen muss. Aus dem Verstehen heraus gemeinsam nach Lösungen suchen. Die Polarisierung, das sich nur noch in seinen Echokammern, in seiner Bubble aufhalten, ist Gift für ein Gemeinschaftsprojekt, wie es unser Land nunmal ist. Wir müssen wieder dahin zurückkommen, dass wir uns in der "Mitte" streiten und nach Lösungen suchen. Nur dort ist der größtmögliche Schnittpunkt erreichbar. Aber wir kommen dort nur (wieder) hin, wenn wir hinaustreten und aufeinander zugehen. Es ist jetzt an der Zeit Zukunftsvisionen für uns und unsere Nachfahren zu erarbeiten. Ein Zurückdrehen der Zeit hin zu etwas, das es so ohnehin nie gab, ist keine Vision. Und es geht auch nicht um ein "wir gegen die da oben", wir gegen die Ausländer, wir gegen die Andersdenkenden. Niemals gegen, immer Gemeinsam. Das entfaltet die größte Kraft. Die mitreissende Kraft des Gemeinsamen.
So, wie eine Sinfonie von Gustav Mahler im Konzertsaal (zum Beispiel...;-))



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